Newsletter 10/2026
Ausgabe Oktober 2026
Liebe Leser:innen,
liebe Mitglieder
die Ausgaben für Wohnen und Nebenkosten machen sowohl EU-weit als auch in Deutschland weiter den größten Anteil der Konsumausgaben aus. Zu diesem Ergebnis kam die Studie „Private Konsumausgaben in der EU: Zwischen Kaufkraft-Gefälle und neuen Trends“ des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln).
Ich finde es interessant, dass ein hoher Wohnkostenaufwand so selbstverständlich ist. Wenn ich ein Haus baue, entstehen dadurch zwar einmalig hohe Kosten, aber diese werden durch Immobilienkredite finanziert und über die Zeit getilgt. Wenn das Haus erst einmal abbezahlt ist, in der Regel nach 25 bis 50 Jahren, reduzieren sich die laufenden Kosten auf Steuern, Versicherungen, Erhaltung und die verbrauchsabhängigen Nebenkosten wie Heizung und Wasser. Damit dürften die Wohnkosten vieler Haushalte gar nicht so hoch sein, denn auch in Hamburg sind die meisten Wohnungen älter als 50 Jahre.
Und doch steigen die Mieten beharrlich weiter, in Hamburg zuletzt stärker als in jeder anderen deutschen Metropole.
„Mieten steigen nicht, sie werden erhöht“, lautet ein Slogan, und da ist schon etwas dran. Die Rechtfertigung für die Erhöhung der Miete kommt vom Gesetzgeber: Nicht die tatsächlichen Investitionskosten, sondern das, was in der Gemeinde für den jeweiligen Wohnraum „ortsüblich“ ist, darf genommen werden. Und ortsüblich ist, was die Menschen bereit und fähig sind, für den Wohnraum zu bezahlen. Eine unendliche Spirale nach oben, zumindest dort, wo Menschen gerne wohnen möchten – anderswo herrscht Leerstand.
Was wäre, wenn Grundnahrungsmittel wie Milch oder Brot statt nach Erzeugungskosten nach solchen Kriterien bepreist würden? Hätte Hamburg dann einen ganz anderen Brotpreis als Bremen, Kiel oder Hannover? Würden derart verschiedene Preise akzeptiert werden? Beim Wohnen ist das so.
Warum ich mir diese Gedanken mache? Weil der Preis für Wohnraum aus Sicht vieler Ökonomen nach denselben Regeln gebildet wird wie der Preis für andere Konsumgüter. Da würde ich mal ein Fragezeichen dahintersetzen. Und Sie?
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Ihr Dr. Rolf Bosse
Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg
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