Wohnung nach Wasserschaden plötzlich unbewohnbar

Ab 10.000 Euro hörte die Freundlichkeit auf

Nach einem Wasserschaden eskaliert ein Streit über Mietminderung und Kosten. Mit Hilfe des Mietervereins setzt sich ein Paar durch.

Hausfassade mit gelbem Filter

In diesem Haus in Eimsbüttel erlebten Arne Peters und seine Partnerin einen heftigen Wasserschaden. Foto: Greulich

Erfolgsgeschichten

Aus unserer Beratungspraxis wissen wir: Vielen Mieter:innen fällt es schwer, sich gegen überhöhte Mietforderungen, falsche Abrechnungen und unrechtmäßige Gebühren zu wehren. Bei diesen und vielen anderen Problemen scheuen sie eine Auseinandersetzung mit der Vermieterseite, weil sie negative Konsequenzen für ihr Mietverhältnis befürchten. Der Hamburger Wohnungsmarkt ist derart angespannt, dass viele Menschen ganz einfach Angst haben, ihre Wohnung zu verlieren. Aber wir wissen auch: Angst ist ein schlechter Ratgeber! Mit unserer Serie „Erfolgsgeschichten“ möchten wir auf unserer Website und in unserem MieterJournal zeigen, dass es sich lohnt, mutig zu sein. Wir erzählen die Geschichten von Mitgliedern, die mit unserer Unterstützung auf ihr Recht bestanden haben. Wir hoffen, dass ihr Erfolg viele andere Mieter:innen motivieren wird, sich gegen unrechtmäßige Forderungen und Ungerechtigkeiten zu wehren. Wir helfen Ihnen dabei!

„Gesundheitsgefahr durch Schimmel“

Auf diese Erfahrung hätten Arne Peters (Name geändert) und seine Partnerin gerne verzichtet. Nach einem heftigen Wasserschaden war ihre Wohnung in Eimsbüttel über Nacht unbewohnbar geworden. Das Paar mietete auf eigene Kosten vorübergehend eine Ersatzwohnung an, weil ihnen die Vermieterin keine aus ihrem Bestand anbieten konnte, wie sie sagte. Im Gegenzug minderte Peters die Miete um hundert Prozent. „Uns war es wichtig, das Kostenrisiko für die Vermieterin möglichst gering zu halten, etwa im Vergleich zu teuren Hotelunterbringungen, und wir informierten sie transparent über unser Vorgehen“, sagt Peters. Im Verlauf der kommenden Monate opferten die Berufstätigen neben ihren Vollzeitjobs viel private Zeit, um den Schaden möglichst gering zu halten. Peters: „Das ging weit über unsere Pflichten als Mieter hinaus.“

Als der entstandene Schaden die Schwelle von 10.000 Euro überstieg, schlug die anfangs freundliche Vermieterin harte Töne an. Peters: „Die zuvor vorhandene Hilfsbereitschaft war wie weggeblasen.“ Offenbar hatte sie Schwierigkeiten, den Schaden von ihrer Versicherung erstattet zu bekommen. Sie behauptete, dass die Wohnung bewohnbar sei und wollte der Mieterseite keine Kosten erstatten. „Stattdessen ließ sie uns über eine Anwaltskanzlei auffordern, angebliche Mietrückstände von rund 8.000 Euro innerhalb von sieben Tagen zu begleichen“, sagt Peters. Insgesamt ging es damit plötzlich um über 20.000 Euro – verbunden mit einer drohenden Kündigung, falls sie nicht fristgerecht zahlen würden.

Besonders erschreckend war: Eine Raumluftmessung hatte eine erhebliche Gesundheitsgefahr in der Wohnung ergeben, in die das Paar nach Behebung der Wasserschäden zurückgekehrt war. Die Folge: Hautausschläge und allergische Reaktionen. „Trotzdem versuchte die Vermieterin, ihr wirtschaftliches Risiko auf uns abzuwälzen – offenbar auch auf Kosten unserer Gesundheit – und setzte dabei auf massiven Druck.“ Zum Glück hatten sich Peters und seine Partnerin frühzeitig an den Mieterverein gewandt, der ab diesem Punkt die gesamte Kommunikation übernahm. „Das war entscheidend.“ Das Paar ließ sich nicht einschüchtern und konnte im Ergebnis durchsetzen, dass die Vermieterseite die entstandenen Kosten übernahm – darunter Mietminderung, Ersatzunterkunft und Umzugskosten in Höhe von insgesamt über 20.000 Euro.

Und auch aus menschlicher Sicht war das Paar, das immer geglaubt hatte, ein gutes Verhältnis zu seiner Vermieterin zu haben, enttäuscht. „Sie ließ uns im Verlauf der Auseinandersetzung ausrichten, es sei nun ,genug geredet‘ worden und übergab alles an ihre Anwälte. Diese Reaktion hätten weder wir selbst noch andere Hausbewohner erwartet.“ Ab diesem Zeitpunkt war kein direkter Austausch mehr möglich. Das Paar hat den Mietvertrag inzwischen außerordentlich und fristlos gekündigt und eine neue, schimmelfreie Bleibe gefunden. „Die neue Wohnung gefällt uns sogar deutlich besser – Glück im Unglück sozusagen“, sagt Peters. Sich zu wehren findet Arne Peters wichtig. „In unserem Fall wäre der finanzielle und gesundheitliche Schaden sonst erheblich gewesen.“ Ein solches Verhalten der Vermieterseite dürfe nicht ohne Konsequenzen bleiben. Um sein Recht durchsetzen zu können, komme es entscheidend auf eine lückenlose Dokumentation der Schäden an. Zahlungen sollten – wenn überhaupt – nur unter Vorbehalt geleistet und entsprechend gekennzeichnet werden. Ob dem Paar darüber hinaus Schadensersatz für die gesundheitlichen Folgen zusteht, werden nun Gerichte klären.

Das ist der Mieterverein zu Hamburg

Wir vertreten die Interessen von Hamburgs Mieter:innen

Der Mieterverein zu Hamburg ist mit 79.000 Mitgliedshaushalten der bei weitem größte Mieterverein der Hansestadt. Die Hauptaufgaben des Mietervereins zu Hamburg sind:

  • die Vertretung der wohnungspolitischen Belange der Hamburger Mieter:innen
  • die Interessenvertretung seiner Mitglieder in Miet- und Wohnungsangelegenheiten
  • das allgemeine Informieren der Mieter:innen zum Mieten und Wohnen in Hamburg

Dem einzelnen Mitglied stehen wir bei allen rechtlichen Fragen rund um die Mietwohnung mit Rat und Tat zur Seite. Die Beratung erfolgt durch Juristen, die auf das Mietrecht spezialisiert sind. Ergänzend sind alle Mitglieder durch eine Rechtsschutzversicherung für den Fall von Mietprozessen abgesichert.
Vorstandsvorsitzender ist Rechtsanwalt Dr. Rolf Bosse, der auch zugleich Geschäftsführer ist. Zudem gehört Dr. Rolf Bosse dem Beirat des Deutschen Mieterbundes an. Stellvertretende Vorsitzende ist Rechtsanwältin Marielle Eifler.

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