Erst Schikane, dann viel Geld zurück
Überhöhte Miete entlarvt
Paar in Hamburg zahlt zu viel Miete – dank Mieterverein sinkt sie deutlich. Über 13.000 Euro Rückzahlung nach erfolgreicher Durchsetzung der Mietpreisbremse.
Benjamin B. und Melissa G. in ihrer Wohnung in der Gärtnerstraße. Foto: Greulich
„Mehr als 13.000 Euro zurück“
Dass etwas nicht stimmte, merkten Benjamin B. (37) und Melissa G. (33), als sie von einigen Nachbarn angesprochen wurden. „Wahrscheinlich ist eure Miete zu hoch“, bekamen sie von ihnen im Hausflur ihrer Wohnung in der Gärtnerstraße zu hören. Als die beiden Berufstätigen nach ihrem Einzug im Mai 2023 etwas Zeit hatten, versuchten sie herauszufinden, ob die Nachbarn mit ihrer Vermutung richtig lagen. Doch wie hoch war die Miete der Vormieter? Die bisherigen Mietverträge waren von der zuständigen Ritt Hausverwaltung schwer zu bekommen. Benjamin B.: „Sie sagten mir erst, ich hätte kein Anrecht darauf, das zu erfahren. Später sollte ich persönlich vorbeikommen, um die Unterlagen dort einzusehen.“ Es wirkte wie Schikane. Zum Glück ist das Paar Mitglied im Mieterverein und ließ sich beraten. „Das hat über das Online-Tool gut funktioniert“, so B. Das Ergebnis der Prüfung war eindeutig: Die Kaltmiete von 2.350 Euro im Monat für die über 100 Quadratmeter große Wohnung war tatsächlich massiv überhöht. Sie lag bei der Neuvermietung mehr als zehn Prozent über der im Mietenspiegel ausgewiesenen ortsüblichen Vergleichsmiete.
Zur Begründung schrieb die Verwaltung, die Wohnung sei vor dem Einzug aufwändig und umfassend renoviert worden. „Zum Glück ist mein Vater Bauingenieur. Er sagte mir, dass das alles so nicht stimmen könne. Das Haus ist von 2005 und wurde seitdem nicht gut instandgehalten“, so B., der den Zustand der Räume damals auch fotografiert hatte. Auf den Bildern ist eine ältere Küche zu sehen, bei der die Dunstabzugshaube nicht funktioniert. Eine Luxuswohnung sieht anders aus.
Die Beharrlichkeit der Datenmanagerin und des Beraters für Cybersicherheit sollte sich lohnen: Der Mieterverein schaffte es, dass die Miete auf monatlich 1.889 Euro gesenkt werden musste. Und das Paar konnte sich über eine stattliche Rückzahlung von 13.114 Euro freuen. Melissa G. sagt: „Erst als unser Berater Briefe im Juristendeutsch geschrieben hat, hat die andere Seite reagiert. Ich glaube, ganz ehrlich, wir hätten das so ohne den Mieterverein nicht hinbekommen.“ Hinzukommt, dass G. in den USA aufgewachsen ist und das deutsche Mietrecht für sie Neuland ist.
Den Stress mit der renitenten Verwaltung haben B. und G. nicht allein, die anderen Mietparteien in den drei Häusern im Hinterhof erleben seit Jahren Ähnliches. „Die Nachbarn sind richtig cool“, sagt Benjamin B., der sich mit seiner Partnerin in Hoheluft sehr wohl fühlt. Gleich um die Ecke ist das Birdland, ein Jazzclub, wo sich auch ein jüngeres Szenepublikum trifft. Er hat in seinen beruflichen Stationen in Würzburg, Frankfurt und Berlin gewohnt und ist froh, in Hamburg zu leben. Mit den übrigen Mieterinnen und Mietern haben sie eine WhatsApp-Gruppe, in der sie sich regelmäßig austauschen. Die Kommunikation mit der Verwaltung ist schwierig. Schickt ein Mieter mehrere Fragen, wird meist nur auf wenige geantwortet, berichtet das Paar. „Dieses Cherrypicking kenne ich aus meiner Tätigkeit als Berater“, so B. Er ist daher dazu übergegangen für jede Frage eine einzelne E-Mail zu schreiben und dabei verschiedene Mitarbeitende der Verwaltung in cc zu setzen. „Das ist mühsam und bedeutet einen hohen Aufwand“, sagt er. Im Chat ist besonders viel los, wenn die alljährliche Betriebskostenabrechnung in den Briefkästen der Mietparteien liegt. „Weil keine einzige Abrechnung stimmt, muss jede der 27 Parteien allein dagegen vorgehen. Die Verwaltung scheint sich antagonistisch zu verhalten. Das ist schade, weil das viel über die Vertrauensbasis aussagt, die nach über zwei Jahren leider etwas fragil ist“, sagt Melissa G.
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