Deutlicher Einbruch beim Wohnungsbau in Hamburg
Zahl der Fertigstellungen ist um 28 Prozent gesunken: Hamburg baut 5.976 neue Wohnungen, davon 1.953 gefördert.
Wie das Statistikamt Nord heute mitteilte, wurden in Hamburg im Jahr 2025 insgesamt 5.976 Wohnungen fertiggestellt. Das sind 2.343 Wohnungen beziehungsweise 28 Prozent weniger als im Vorjahr, als noch 8.319 Wohnungen entstanden waren. Das ursprünglich vom „Bündnis für das Wohnen“ formulierte Ziel von jährlich 10.000 neuen Wohnungen wird damit erneut deutlich verfehlt.
Auch bei den Sozialwohnungen gab es einen Rückgang, wie der Mieterverein auf Nachfrage von der Behörde für Stadtentwicklung erfuhr. Wurden 2024 noch 2.261 Sozialwohnungen fertiggestellt, waren es 2025 nur noch 1.953 – ein Rückgang von 308 Wohnungen bzw. knapp 14 Prozent.
„Dieser massive Rückgang ist ein Schlag ins Kontor und sollte alle, die in Hamburg für bezahlbaren Wohnraum kämpfen, alarmieren“, erklärt Dr. Rolf Bosse, Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg. „Die aktuellen Neubauzahlen reichen bei weitem nicht aus, um den großen Bedarf an Wohnraum in Hamburg zu decken, von bezahlbarem Wohnraum ganz zu schweigen.“ Besonders bei Sozialwohnungen bestehe weiterhin ein erheblicher Mangel. Etwa 643.000 Hamburger Haushalte haben aktuell Anspruch auf eine Sozialwohnung. Dem stehen jedoch nur 76.533 Sozialwohnungen gegenüber – Tendenz fallend (2024: 79.643). Außerdem warten noch immer über 13.000 vordringlich Wohnungssuchende auf ein Zuhause. „Die aktuellen Neubauzahlen zeigen, dass Hamburg beim Wohnungsbau umdenken muss. Mithilfe der Regeln des Marktes lässt sich der Bedarf jedenfalls nicht decken. Ebenso wenig mit steigenden Genehmigungszahlen. Die zentrale soziale Herausforderung für Hamburg muss anders bewältigt werden – mit Entschlossenheit, aber auch mit einem realistischen Blick auf die Lage“, so Dr. Bosse.
Der Mieterverein warnt davor, beim Wohnungsbau weiterhin schwerpunktmäßig auf private Bautätigkeit zu setzen. Das ifo Institut hatte zuletzt gemeldet, dass sich das Geschäftsklima im Wohnungsbau stark eingetrübt habe. Neben hohen Finanzierungskosten belasten zunehmend auch geopolitische Unsicherheiten und Probleme bei der Materialversorgung die Branche. Vor diesem Hintergrund seien die gestiegenen Genehmigungszahlen trügerisch. Sie verhießen keinen Anstieg der tatsächlichen Bautätigkeit. „Gerade deshalb brauchen wir deutlich mehr kommunalen und gemeinwohlorientierten Wohnungsbau“, fordert Dr. Bosse. „Öffentliche und gemeinnützige Wohnungsunternehmen können unabhängig von Konjunkturschwankungen bauen und damit verlässlich für stabile Neubauzahlen sowie bezahlbare Neuvermietungsmieten sorgen. Die SAGA muss zum zentralen Motor für Hamburgs Wohnungsbau werden!“
Gleichzeitig verbindet der Mieterverein mit dem von Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein aufgerufenen „Hamburg-Standard“, welcher schnelleres Bauen ermöglichen soll, die Erwartung, dass durch die einfacheren Planungs- und Bauprozesse künftig mehr Wohnraum entsteht. „Entscheidend ist allerdings, dass die dadurch entstehenden Wohnungen auch bezahlbar vermietet werden“, betont Dr. Bosse.
Aus Sicht des Mietervereins muss zudem eine grundsätzliche Debatte darüber geführt werden, wie vorhandener Wohnraum bezahlbar bleibt oder wieder wird. „Selbst bei stark steigenden Fertigstellungszahlen wird der Wohnraumbedarf in Hamburg auf absehbare Zeit nicht durch Neubau gedeckt werden können“, erklärt Dr. Bosse. „Wir müssen deshalb auch darüber diskutieren, wie Wohnraum sozial gerechter genutzt werden kann – Hamburg muss seine Wohnraumreserven mobilisieren.“
Der Mieterverein fordert Senat und Politik auf, den Wohnungsbau langfristig krisenfest auszurichten und den Bestand an Sozialwohnungen deutlich auszubauen. „Hamburg braucht eine Wohnungsbaupolitik, die sich nicht an Marktzyklen orientiert, sondern dauerhaft am Gemeinwohl“, so Dr. Bosse.
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