Schimmel

Schimmelpilze – die unerwünschten Untermieter

Verschimmelte Wand hinter einem Fernseher

Ein Bericht von Dr. Manfred Steinröx aus dem MieterJournal 3/2020

Die Sorge um gesundheitliche Schäden durch Schimmelbefall ist hoch. Deshalb kommt es über die Ursachen oft zu erbitterten Auseinandersetzungen zwischen Mietern, Vermietern und Hausverwaltungen.

In diesem Beitrag geht es ausschließlich um Schimmel in Wohnräumen. In Gebäuden mit besonderen Hygienevorschriften, wie Krankenhäusern, gelten andere Bewertungsmaßstäbe. Angesprochen werden in erster Linie Mieter, die bauliche Maßnahmen zur Schimmelsanierung oder Schimmelprophylaxe an Wohnungen nicht in Eigenregie durchführen können.

Wie gefährlich ist Schimmel?

Die gesundheitlichen Auswirkungen von Schimmel in Wohnräumen sind seit Jahrzehnten Gegenstand von medizinischen Forschungen. Vor allem das Umweltbundesamt in Berlin und der TÜV Rheinland veröffentlichen die Ergebnisse und führen Fachkonferenzen durch.

Schimmel hat ein starkes „allergenes Potenzial“. Es gibt einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Verschlimmerung von Erkrankungen der Atemwege, wie Husten oder Asthma. Auch Reizungen der Schleimhäute, wie tränende Augen oder eine dauerhaft verstopfte Nase, werden mit Schimmelpilzen in Verbindung gebracht.

Das Maß gesundheitlicher Beeinträchtigungen ist stark von der individuellen Konstitution abhängig. Vorerkrankungen, Alter oder andere gesundheitliche Belastungen spielen eine große Rolle. Eine eindeutige „Dosis-Wirkungs-Beziehung“ zwischen Schimmel und Gesundheitsrisiken in Form von „Grenzwerten“ kann es daher nicht geben. Unbestritten ist, dass die Gefahr gesundheitlicher Beeinträchtigungen mit dem Umfang des Schimmelbefalls steigt. Patienten mit Immunsuppression vor oder während einer Krebsbehandlung oder Transplantation sind eine besonders zu schützenden Risikogruppe.

Schimmel in Wohnräumen ist ein gesundheitliches Risiko, unabhängig davon, ob für die Bewohner aktuell ein konkretes Gesundheitsrisiko besteht. Deshalb ist von der Anwendung von „Do-it-yourself-Schimmeltests“ abzuraten. Auch Art oder Farbe des Schimmels sind für eine Risikobewertung meist nebensächlich. Bei konkretem Befall ist es sinnvoller, mögliche Krankheitsursachen mit einem Arzt zu besprechen, der bei Bedarf auch ein qualifiziertes Fachlabor hinzuzieht.

Warum entsteht Schimmel?

Kein Schimmel ohne Feuchtigkeit. Das gilt für Wohnungen ebenso wie für die natürliche Umwelt, in der Schimmel ebenfalls grundsätzlich vorhanden ist. Schimmel in Wohnräumen ist meist auf eine oder mehrere der folgenden Ursachen zurückzuführen:

  • Bauliche Schwachstellen und Mängel (Neubaufeuchte, unzureichende Wärmedämmung, Wärmebrücken, mangelhafte Abdichtung gegenüber dem Erdreich, Fassadenschäden)
  • Wasserschäden (Wassereintritt durch Überschwemmungen oder Leitungsschäden)
  • Nutzungsbedingte Einflüsse, wie unsachgemäßes Heizen oder Lüften

Ohne Berücksichtigung der raumklimatischen Rahmenbedingungen, der Oberflächentemperatur und Oberflächenfeuchtigkeit können die Ursachen für Schimmelbefall nicht gefunden werden. Viele kompliziert anmutende „Datenlogger-Aufzeichnungen“ von der Raumtemperatur und der Lüftungshäufigkeit sind daher mehr „Augenpulver“, als dass sie tatsächlich Ursachen und sachgerechte Lösungswege benennen können.

Das folgende Beispiel veranschaulicht den Ursache-Wirkung-Zusammenhang von Bauphysik, Raumklima und Schimmelentwicklung: Schimmel tritt während der Heizperiode häufig in Wohnungen aus den 1950er- und 1960er-Jahren auf. Solche Gebäude weisen oft eine vergleichsweise geringe Wärmedämmung auf. Diese entsprach dem damaligen Stand der Technik und den geringen Energiekosten. In den 1970er- und 1980er-Jahren wurden zur Energieeinsparung doppelt verglaste Fenster eingebaut, die Fassade alterte, blieb aber im Grundsatz unangetastet.

Verschimmeltes Badezimmer

Ursache Wärmebrücken

Warum tritt Schimmel vor allem in den Fensterlaibungen und an den Außenwänden auf?Ursache sind oft „Wärmebrücken“, an denen die Temperatur der Wände besonders niedrig ist. Tauwasserbildung (Kondensation), die früher bei einfachverglasten Fenstern im Winter zu Eisblumen führte, verlagerte sich nach Austausch der Fenster in die Raumecken. Prüfungen mit einer Wärmebildkamera zeigen dies deutlich auf: Schimmel ist meist dort, wo die Wandtemperaturen niedrig sind. Nach einer „energetischen Sanierung“, also einer Verbesserung der Fassaden-Wärmedämmung kommt es daher meist nicht mehr zur Schimmelbildung, auch wenn sich das Heiz- und Lüftungsverhalten der Bewohner nicht verändert.

Schimmel ist genügsam und kann sich die benötigte Feuchtigkeit auch aus der Luft holen. Bereits 80 Prozent relative Luftfeuchtigkeit an der Wandoberfläche reichen den meisten Schimmelarten aus. Dies setzt keine ungewöhnlichen raumklimatischen Verhältnisse voraus: Bei einer Raumtemperatur von 20 Grad und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent in der Raummitte ist der 80-Prozent-Wert bereits bei 12,6 Grad Wandtemperatur gegeben – nicht selten in Fußbodennähe oder Fensterlaibungen.

Diese Prozesse können ungünstig verstärkt werden, wenn aus falsch verstandener Sparsamkeit tagsüber die Raumtemperatur abgesenkt wird oder wenn Küche, Badezimmer oder WC dauerhaft durch Kippstellung der Fenster gelüftet werden. Auch andere Faktoren wirken sich auf das Schimmelrisiko aus. Die Größe von Badezimmern im Altbau wurde darauf berechnet, dass die Wanne freitags benutzt wurde. Heute duschen die Bewohner mindestens einmal täglich. Die an die Luft abgegebene Feuchtigkeitsmenge steigt entsprechend, oft ist die Größe von Fenstern und Abluftschächten für den Abtransport der Feuchte zu klein.

Schimmel im Neubau

Wird die Wohnung zu früh, also bei noch zu hoher Restbaufeuchte bezogen, kommt es schnell zu Schimmelbildung hinter Möbeln oder Bilderrahmen. Da Häuser heute auf eine maximale Energieeinsparung geplant werden, ist eine ausreichende Lüftung nur bei funktionierender Technik gewährleistet. Ist das nicht der Fall, kommt es im Neubau zu Schimmelbildung. Aber auch Mängel in der Bauausführung, zum Beispiel bei den Anschlüssen der Fenster zur Fassade, führen oft zu erheblichen Schimmelproblemen. Ein Ärgernis nicht nur für Mieter, sondern auch für die Käufer von Eigentumswohnungen.

Schimmel in einer Hausecke

Was tun gegen Pilze?

Der erste Schritt auf dem Weg zu einer erfolgreichen Schimmelsanierung ist die Klärung der Ursachen. Sind Dach und Fassade intakt, kann ein Wasserschaden ausgeschlossen werden? Kommt es zur Tauwasserbildung? Sind hierfür Baumängel (zum Beispiel eine falsche Innendämmung), Wärmebrücken oder ein falsches Nutzerverhalten verantwortlich? Ist die Ursache ein einmaliges Ereignis, also vielleicht die defekte Waschmaschine der Nachbarn, reicht gegebenenfalls eine oberflächliche Reinigung nach Trocknung aus. Liegen bauliche Mängel vor, müssen diese zunächst beseitigt werden.

Ein kleiner und oberflächlicher Schimmelbefall kann selbst behandelt werden, wenn

  • die Ursache bekannt und behoben wurde,
  • die Betroffenen nicht allergisch auf Schimmelpilze reagieren,
  • sie nicht an einer Immunerkrankung leiden.

Eine (wiederholte) oberflächliche Beseitigung von Schimmel ist immer mit dem Risiko verbunden, dass die eigentliche Ursache nicht beseitigt wird und sich der Schaden vergrößert. Schimmelbeseitigung ist daher grundsätzlich Aufgabe der Eigentümer und der Hausverwaltung.

Die Wahl der Mittel hängt von den örtlichen Gegebenheiten und den befallenen Oberflächen ab. Reiniger mit 70- bis 80-prozentigem Alkoholanteil gelten grundsätzlich als geeignet, ebenso wie Mittel, die als Wirkstoff Wasserstoffperoxid enthalten. Von der Anwendung von Bioziden („Desinfektion“) in Haushalten wird wegen möglicher gesundheitlicher Folgeschäden generell abgeraten.