13.12.2021

Mietenspiegelschock für Hamburg: Anstieg um 7,3 Prozent gegenüber 2019

Der heute von der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen veröffentlichte Mietenspiegel zeigt, dass sich die durchschnittliche Nettokaltmiete seit 2019 um 7,3 Prozent von 8,66 Euro auf 9,29 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2021 erhöht hat. Insoweit handelt es sich um den stärksten Anstieg der letzten 20 Jahre. In diesem Zeitraum haben sich die Durchschnittsmieten in Hamburg damit um rund 60 % erhöht.

„Der extrem starke Mietenanstieg muss für den Senat ein Signal sein, dass die bisherigen Bemühungen, den Wohnungsmarkt in Hamburg zu stabilisieren, offenbar nicht gefruchtet haben. Von einer Entspannung des Wohnungsmarktes kann keine Rede sein“, sagt Rolf Bosse, Geschäftsführer des MIETERVEREIN ZU HAMBURG. „Mieten von rund 13 Euro und mehr je Quadratmeter bei Neumietverträgen zeigen, dass nur ein verstärkter Bau von bezahlbaren Wohnungen und eine Mietpreisbremse, die den Namen verdient, den Wohnungsmarkt nachhaltig beruhigen können“, meint Bosse.

Aus seiner Sicht wäre der Mietenanstieg mit Sicherheit zweistellig ausgefallen, wenn der Betrachtungszeitraum bei der Beurteilung der ortsüblichen Vergleichsmiete des Mietenspiegels nicht auf sechs Jahre verlängert worden wäre. „Auch das Mantra der hohen Neubauzahlen konnte den extrem starken Mietenanstieg nicht verhindern.“, so Bosse.

Der MIETERVEREIN ZU HAMBURG fordert deshalb den Senat auf,

  • den Bau von jährlich 10.000 Wohnungen zu verstetigen,
  • die Zahl der fertiggestellten Sozialwohnungen auf 6.000 Einheiten zu erhöhen,
  • weitere soziale Erhaltungs- und Umwandlungsverordnungen zu erlassen, um Mieterhaushalte vor einer Verdrängung zu schützen,
  • Grundstücke für den Wohnungsbau grundsätzlich nur im Wege des Erbbaurechts zu vergeben,
  • gezielt Vorkaufsrechte auszuüben, um Grundstücksspekulationen vorzubeugen,
  • die Angemessenheit der Mieten bei Transferleistungsempfängern den aktuellen Werten des Mietenspiegels umgehend anzupassen.

Der MIETERVEREIN ZU HAMBURG erwartet weiter, dass sich der Senat auf Bundesebene für mehr Mieterschutz u. a. durch folgende Initiativen einsetzt:

  • weitere Verschärfung bei der Mietpreisbremse und Sanktionen gegen überhöhte Mieten durch Reform des § 5 Wirtschaftsstrafgesetz,
  • gesonderte Ausweisung des Möblierungszuschlags bei möblierten Wohnungen,
  • die Berücksichtigung aller örtlichen Mieten bei der Erstellung des Mietenspiegels,
  • weitere Reduzierung der bei Modernisierungen zulässigen Mieterhöhungen und
  • Schaffung der „Neuen Gemeinnützigkeit“ im Wohnungsbau, um preiswerte und bezahlbare Wohnraumversorgung dauerhaft zu sichern.

Bei dem neuen Hamburger Mietenspiegel 2021 handelt es sich um einen qualifizierten Mietenspiegel, der die aktuellen ortsüblichen Mieten mit dem Erhebungszeitpunkt 1. April 2021 in der Hansestadt wiedergibt. Es wurden nur die Mieten berücksichtigt, die in den letzten sechs Jahren neu vereinbart oder erhöht wurden, nicht der gesamte Bestand.

„Wir appellieren an alle Mieterinnen und Mieter in Hamburg, keine Mietererhöhung ungeprüft zu akzeptieren. Jede unberechtigte Mieterhöhung benachteiligt nicht nur den unmittelbar betroffenen Mieter, sondern führt auch dazu, dass die überhöhten Mieten die Grundlage des nächsten Mietenspiegels bilden und damit ursächlich für den starken Anstieg der ortsüblichen Miete in Hamburg sind“, so Bosse.

Der Online-Check zur Mieterhöhung des MIETERVEREIN ZU HAMBURG gibt einen ersten Hinweis darauf, ob die geforderte Mieterhöhung gerechtfertigt ist. Der Check steht allen Hamburger Mieterinnen und Mietern auf online-checks.mieterverein-hamburg.de kostenlos zur Verfügung. Hamburgs Mieterinnen und Mieter erhalten außerdem unter der Mieter-Hotline
040 / 8 79 79-345 allgemeine Auskünfte zu Mieterhöhungen und können sich auf unserer Webseite mieterverein-hamburg.de informieren.

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